Beschreibung
- Merlot 80%, Cabernet Franc 20%
- rot, trocken
- 14,5% Vol.
- Trinkreife: 2029–2060
- voluminös & kräftig
- tanninreich
- Lobenberg: 100/100
- Weinwisser: 99–100/100
- Parker: 97/100
- Wine Cellar Insider: 96–98/100
- Jeb Dunnuck: 95–97/100
- Neal Martin: 95–97/100
- Gerstl: 20/20
- Frankreich, Bordeaux, Saint Emilion
- Allergene: Sulfite,
Abfüller / Importeur: Tertre Roteboeuf, , 33330 Saint-Laurent-des-Combes, FRANKREICH
Lobenberg: Das Weingut von Francois Mitjavile liegt in Amphitheater-Form auf purem Kalkstein an der Südkante Saint Emilions, die Fortsetzung der Cote Pavie. Der Wein des Großmeisters der Fruchtexpression und Feinheit. Immer einer der besten Saint-Émilion-Produzenten der letzten Jahrzehnte. Immer einer, der besonders spät liest, er kann mit Terroir und Klima umgehen wie kaum ein anderer. Nie gegen das Jahr vinifiziert, sein Wein schmeckt immer zu 100% wie der Jahrgang. 80% Merlot, 20% Cabernet Franc ist das Verhältnis hier auf der Tertre Roteboeuf. Francois Mitjavile ist ein absoluter Verfechter der reifen Frucht. Aber niemals der Überreife. Sein Terroir auf reinem Kalkstein ist so perfekt, dass er, obwohl er erst ab Mitte Oktober erntet, also oft viel später als andere Winzer, nie überreife Frucht im Keller hat. Das Ganze kann natürlich nur funktionieren, wenn man mit dem Laub gut arbeiten kann, und da ist Mitjavile halt der Großmeister, um die Photosynthese immer auf Volldampf zu halten. Hier auf Tertre Roteboeuf entsteht im Grunde immer das, was der Charakter des Jahrgangs von Bordeaux ist. Man pflegt hier einen Stil wie zu Zeiten der französischen Kaiser, und da kommen die mediterranen Jahre 2018 und 2019 sehr entgegen. Üppig, reichlich, großzügig und trotzdem frisch. Francois lehnt die jungen, scheinbar modernen Winzer ab, die versuchen dramatisch früh zu ernten, explosive Frucht mit Tannin und Säure favorisieren, und die nicht den typischen Bordeaux-Stil vinifizieren möchten, sondern eher Burgund oder Loire im Hinterkopf haben. Das ist zwar auch großartig, aber nach Meinung von Francois entspricht das nicht dem, was Bordeaux ausmacht. Francois nimmt auch jedes Jahr neue Barriquefässer von Radoux. Die Fässer werden sehr heiß und lange getoastet, obwohl man bei Francois nie frisches Holz schmeckt. Sinn der Sache ist, das Holz von innen bis zu drei Millimeter Tiefe zu durchdringen, um die grünen Elemente der Eiche zu eliminieren. Das geht nur, wenn man heißer und länger toastet. Das Ungewöhnlichste ist, dass das neue Holz bei Francois nie spürbar ist. Das liegt an der hohen Intensität, der tollen Säure, der massiven, gleichwohl butterweichen Tanine und der hohen Reife der Frucht, die hier ins Fass gebracht wird. Dass alle Weine hier spontan vergoren werden, ist natürlich klar. Die Vergärung geschieht im Zementtank. Francois entrappt immer zu 100 Prozent. Gerade in Jahren wie 2016, 2018 und 2019, in Jahren, wo es so viel Sonnenschein, Hitze und Trockenheit gibt, kommen die Stärken von Francois besonders zum Tragen. Kaum einer versteht es, so frische, feine und gleichzeitig mediterrane Weine zu erzeugen. 2019, wie bei Francois üblich, ist gar nicht mal so dunkel in der Farbe. Leicht durchscheinendes Schwarzrot mit hellem Rand. Die Nase ist sicherlich noch von neuem Holz geprägt. Und trotzdem obsiegt auch schon in diesem jungen Stadium die Frucht. Reife, tiefe Frucht. Extrem auf der Schwarzkirsche laufend. Aber gar nicht mal so süß sondern sehr strukturiert. Dazu viel Kalkstein und Salz schon in der Nase. Lakritze, Pimentpfeffer, schöne Schärfe anzeigend. Dazu Thymian und Estragon. Auch ein Hauch Lavendel und Veilchen. Aber kein fetter, moderner, üppiger Saint-Émilion, sondern schon in der Nase ein ganz feiner und ätherischer Wein. Und dieses Ergebnis finden wir auch im Mund. Der Wein ist wirklich zart. Verspielt, fast schlank für einen Saint-Émilion. Er hat gar nicht diese fette schwarze Frucht, er hat nicht die Wucht, die viele Saint-Émilions haben, sondern er hat diese Feinheit, wie sie auch ein Tertre de la Mouleyre hat. Eine rotfruchtige, himbeerige, erdbeerige Feinheit. Spielerisch und tänzerisch. Wunderschön verwoben mit einem aromatischen und salzigen Finale. Ungemein pikant. Ein großer Oszillograph zwischen dieser wunderbaren rotfruchtigen Frische und dieser schwarzfruchtigen Reife. Aber nichts ist überreif. Und es ist schon wirklich verblüffend, wie in diesem Saint-Émilion die rote Frucht die Oberhand gewinnt, wie die Cabernet Franc mit ihrer zarten Himbeere der Schwarzkirsche Einhalt gebietet. Der Wein steht Minuten später noch im Mund. Rotfruchtig dominiert, salzig dominiert. Aber unglaublich fein. Die Tannine sind total poliert, fast nicht vorhanden. So schmeckt es. Und trotzdem hat der Wein eine immense Intensität und eine rasiermesserscharfe Frische. Eine tolle Säure, aber nichts zitrushaftes, sondern eine Säure wie aus der Himbeere kommend. Ein extrem schicker Tertre Rotebouef. Kein Blockbuster, eher das Gegenteil davon. Und trotzdem wahnsinnig intensiv. Alle Genießer, die auch einen Château Jean Faure, ein Château Coutet, ein Château Tertre de la Mouleyre, einen Clos Louie schätzen, sollten diesen Tertre Rotebouef dazulegen. Er ist zwar dann der teuerste der genannten Weine, aber vielleicht ist er auch der Meister. Jedenfalls ein Meister der Finesse. Das ist ein Wunderwerk in feiner Verspieltheit. 100/100






Rezensionen
Es gibt noch keine Rezensionen.